Als wir unsere Entscheidung getroffen hatten einen Defender als Tourmobil zu verwenden, wurde uns schnell bewusst, dass nur der Platz im Innenraum nicht ausreichen wird um dort zu zweit für eine so lange Zeit komfortabel zu übernachten.
So gingen wir verschiedene Möglichkeiten durch die Schlafmöglichkeiten von unserem Reisemobil zu erweitern:
Als erstes überlegten wir die klassische Variante zu wählen und ein normales Zelt als Schlafquartier mitzunehmen. Schnell sind uns jedoch einige Gründe eingefallen die gegen diese Idee sprachen. Der Hauptgrund war, dass Stellplätze für KFZ + Zelt in der Regel deutlich Teurer sind als wenn man nur einen KFZ bzw. Wohnmobilstellplatz benötigt. Zudem ist es nicht sehr komfortabel 10 Monate in einem gewöhnlichen Zelt zu übernachten. Auch die Punkte, dass der Aufbau jedes Mal recht viel Zeit benötigt, sich bei Regen sehr schwierig gestalten kann und man immer einen festen, ebenen Untergrund braucht, sorgten dafür, dass wir die Idee mit einem klassischen Zelt recht schnell verwarfen.
Ein Hubdach kam schon aufgrund des hohen Preises (neu ab 6.000€) nicht infrage. Auch verliert man dadurch wichtigen Platz auf dem Dach, da nur die Premiummodelle (ab 10.000€) die Möglichkeit bieten auf dem Dach Dinge zu verstauen. Zu dem hohen Anschaffungspreis wären zudem noch die Montagekosten dazugekommen. Da das gesamte Dach incl. Kabelbaum entfernt und anschließend wieder installiert werden muss, wären hier nochmal Kosten von mindestens 1.000€ auf uns zugekommen.
Nachdem wir in verschieden 4×4 und Defender-Foren nachgeschaut haben waren wir uns bald sicher, dass wohl nur ein Dachzelt den besten Kompromiss zwischen Hubdach und Zelt darstellen würde.
Als die Entscheidung auf ein Dachzelt gefallen war standen wir nun vor dem Nächsten Problem. Wir mussten unter den hunderten Dachzeltherstellern und Varianten das richtige Dachzelt für unser Vorhaben finden:
Angefangen haben wir bei der Suche damit uns erst einmal einen Überblick über die verschiedenen Hersteller von Dachtzelten zu verschaffen. Es wurde deutlich, dass es sehr viele, sehr unterschiedliche Dachzelte gibt. Die Preisspanne reicht hier von etwa 700€ bis 8.000€ und mehr.
Neben dem Preis gibt es auch bei der Art eines Dachzeltes erhebliche Unterschiede. Einige Dachzelte ähneln stark einem Hubdach und werden meist in einer starren Box auf der gesamten Länge des Fahrzeuges installiert. Hierbei steht man also vor demselben Problem wie bei einem normalen Hubdach, auf diesem kann man, wenn überhaupt, nur sehr leichte Gegenstände verstauen und verschenkt so notwenigen Platz.
Die meisten Dachzelte sind jedoch klappzelte, die meist über das Fahrzeug heraus geklappt werden können. Dadurch spart man sich so wertvollen Platz auf dem Dach. Hier unterscheiden sich die Zelte allerdings in der Größe, die sie auf dem Dach einnehmen, da sie unterschiedlich weit über das Fahrzeug herausstehen. Zudem bieten viele Hersteller die Möglichkeit ein Vorzelt an das Dachzelt anzuschließen um den Wohnkomfort zu erhöhen. Zwischen den vielen Herstellern fiel es mir sehr schwer mich auf eine Dachzeltart oder Hersteller festzulegen.
Zum Glück wurde mir die schwere Entscheidung mehr oder weniger von meiner Oma und meinen Eltern abgenommen. Ich hatte mir zwar bereits viel Wissen über Dachzelte angelesen, hatte aber bald nicht mehr genügend Zeit mich auf die Suche zu konzentrieren, da ich mich voll und ganz den letzten Prüfungen für das Abitur widmen musste. Da meine Oma mir gerne ein Dachzelt für mein hoffentlich dann bestandenes Abitur schenken wollte, übernahm sie in Unterstützung meiner Mutter ohne bei Wissen die Suche. Tagelang wühlten sie sich durch verschiedene Foren und Herstellerseiten und blieben dabei immer wieder bei einem Hersteller hängen der hoch gelobt und als „Original“ bezeichnet wurde. So konzentrierten sich die beiden immer weiter auf diesen Hersteller. Als sie dann auch noch lasen, dass diese Dachzelte bei den Land Rover Experience Touren in Island, Australien und Afrika eingesetzt wurden, entschlossen sie sich den Hersteller AUTOCAMP® anzuschreiben um die Verfügbarkeiten abzuklären.
Auf eine Antwort wartend wurden weiter Tests, Reviews und Bewertungen zu den Dachzeltmodellen von Autocamp gelesen. Nach langer Recherche und regem Schriftverkehr mit AUTOCAMP® ließ die Entscheidung auf ein Modell nicht mehr lange warten, dass Modell trägt den vielversprechenden Namen Marco Polo.
So heißt zumindest auf der Website von AUTOCAMP® . Die Dachzelte von AUTOCAMP® haben gegenüber den anderen Herstellern einen entscheidenden Vorteil: Durch die besonderen Materialien die verwendet werden ist das Dachzelt komplett wasserdicht und kommt daher ohne extra Regenplanen aus, die normalerweise den Aufbau des Zeltes erheblich verlängern und immer die Gefahr birgt, Wasser durchzulassen. Zudem handelt sich bei AUTOCAMP® um den ersten Dachzelthersteller auf der Welt, daher kann das Familienunternehmen aus zweiter Generation auf sehr viel Erfahrung zurückblicken. Zwar ist das Dachzelt deutlich Teurer als viele andere Dachzelte, allerdings kommen die meisten Besitzer zu dem Schluss, dass sich der höhere Anschaffungspreis lohnt.
Zu meinem Abiturzeugnis habe ich dann von meiner Oma das Dachzelt geschenkt bekommen und war unheimlich froh, dass mir diese komplizierte Suche auf die ich mich gerade konzentrieren wollte abgenommen wurde. Als ich dann noch erzählt bekommen habe um was für ein Dachzelt es sich handelt war ich überwältigt und konnte kaum erwarten das Zelt auf dem Landy zu montieren. Wenn dich die Montage interessiert schaue dir hier den Blogpost dazu an.
Hier einige Fakten zum Zelt und zum Lieferumfang:
- 160x200cm große Schlaffläche
- 160x130cm große Vorzelt
- 45 Kilogramm
- 25cm höhe im abgebauten Zustand
Im Lieferumfang enthalten sind:
- Bequeme Matratzen mit Bezügen
- Innenkabine mit Moskitoschutz
- Abdeckplane incl. Spanngummis
- Fensteraussteller Schlafkabine
- Zeltverlängerung (für den Defender Optional!)
- Abnehmbare Leiter
- Abspanngurte
- Heringe
- Hecksegel und Sonnensegel incl. Stangen
Etwa vier Wochen nachdem ich das Dachzelt bekommen habe kam der Dachgepäckträger (für mehr Infos zum Dachgepäckträger klicke hier). Als dieser da war konnte das Dachzelt das erste Mal montiert werden. Dafür haben wir etwa 4 Stunden benötigt und es gab einige Probleme (lese hier mehr dazu).
Mit dem Montierten Dachzelt hat unser Reisemobil nun fast schon Wohnmobil Maße erreicht. Mit etwa 2,65 Metern Höhe ist der Defender nur unwesentlich niedriger und mit 5,95 Metern sogar Länger als normale Wohnmobile wie z.B. der klassische HYMER der lediglich 5,45m lang und 2,77m hoch ist.
Mit diesen Maßen ist es logisch, dass man mit dem Defender wohl in kaum ein Parkhaus kommen wird und man sollte sich seiner Größe stets bewusst sein wenn man z.B. über waldige Straßen Schwedens fährt oder durch die kleinen Gassen Südeuropäischer Dörfer.
Durch das Dachzelt hat man auf dem Dachgepäckträger rund 1,35 Meter verloren, es stehen einem noch weitere 1,35 Meter zur Verfügung. Um die Erhaltung der Aerodynamik (wenn bei einem Defender davon überhaupt die Rede sein kann) zu gewährleisten sollte bei der Beladung darauf geachtet werden, die höchsten Gegenstände nach hinten zum Dachzelt hin zu verstauen und dabei 30cm Höhe nicht überschreiten.
Das Fahrgefühl leidet kaum unter dem Dachzelt. Dadurch, dass es hinten montiert ist, kann der Wind gut über dieses Hinwegziehen und es entstehen keine deutlich lauteren Fahrgeräusche. Da der Wind nicht direkt auf das Dachzelt trifft wird auch der Spritverbrauch nur durch die zusätzlichen 45 Kilogramm gesteigert.
Das der Defender kein Kurvenraser ist liegt wohl auf der Hand. Durch die langen Federwege neigt der Wagen zum Schwanken und der Permanente Allrad trägt zum Untersteuern bei. Durch das Dachzelt wird dies allerdings nicht weiter verstärkt, von einem, durch das Dachzelt deutlich höher liegenden, Schwerpunkt kann keine Rede sein.
Das Dachzelt in Verbindung mit dem Dachträger gibt dem Fahrzeug nochmal eine deutlich „abenteuerlustigere“ Optik. Wenn eingepackt sieht man dem Dachzelt zwar nicht an, dass es sich um ein solches Handelt, deutet aber schon auf eine längere Tour hin . Lediglich Leiterverlängerung und zwei Zeltstangen passen nicht unter die Plane.
Größenvergleich: VW T4 vs. Land Rover Defender BJ04
