Die Planung des Innenausbaus begann als wir uns sicher waren, dass ein Land Rover Defender 110 Station Wagon wohl das beste Fahrzeug für unser Vorhaben sein wird. Zu diesem Schluss sind wir nun auch nicht ohne Grund gekommen, bei der Suche nach einem Reisemobil sind wir bereits auf einige Personen gestoßen, die ebenfalls einen Defender für ähnliche Zwecke umgerüstet haben. Mit dieser Idee im Kopf entstanden bald konkrete Pläne, die innerhalb von 3 1/2 Monaten in die Tat umgesetzt wurden. Diesen Prozess könnt ihr auf dieser Seite im Detail verfolgen.
Wenn ihr euch nur grob über die Ausstattung informieren wollt, lest hier im Hauptartikel zu dem Defender eine Zusammenfassung. In diesem Bericht stellen wir euch die geleisteten Umbauten im Detail vor und erklären die groben Arbeitsschritte chronologisch. Es beginnt oben mit der Planung und den Vorbereitungen und endet mit den dem letzten Feinschliff, der Personalisierung.
Bis auf relativ grobe Pläne haben wir allerdings keine Zeichnungen o.Ä. angestellt. Begonnen haben wir damit den Defender auszumessen und uns zu überlegen, wo man welche Gegenstände am besten verstauen könnte.
Eine Sache mussten wir allerdings von Vornhinein berücksichtigen, wir mussten für eine gute Belüftung des Fahrzeuges sorgen, Feuchtigkeit muss schnellstmöglich trocknen können. Noch zwei Wochen nach unserem Ausflug nach Dänemark fanden wir unter dem, zu diesem Zeitpunkt noch verbauten, Teppich. Wir beschlossen den gesamten Ausbau auf 0,5mm große leisten zu bauen. So entsteht, wenn man die beiden hinteren Türen und den Kofferraum öffnet, ein Luftzug unter dem Ausbau und schützt das Holz so vor Feuchtigkeit.

Im Anschluss daran standen wir vor der Materialauswahl. Schlussendlich haben wir uns für OSB Platten entschieden. Diese zeichnen sich durch ihre extreme Belastbarkeit aus und lassen sich sehr einfach ohne die Gefahr zu splittern bearbeiten.
Damit wir mit dem Ausbau beginnen konnte, mussten wir zuerst den gesamten Laderaum entkernen. Wir entfernten Sitze, Teppiche, Verkleidungen, Anschnaller und jegliche, nicht zur Karosserie gehörenden Teile.
Danach stand eine sehr mühselige Arbeit bevor, wir mussten das gesamte Fahrzeuginnere von Kleberesten, Rost und anderen Verunreinigungen befreien. Für diese Arbeit haben wir Universalverdünner benutzt, arbeiten war trotz des heißen Wetters also nur mit Atemmaske möglich. Da wir die gesamten Anbauteile ausgebaut haben, gab es viele nach draußen gehende Schraublöcher, die gut verschlossen werden mussten, um die Geländetauglichkeit des Fahrzeuges zu erhalten.
Nachdem das Gerüst vorne stand konnten wir die eigentliche Bodenplatte zurechtschneiden. Damit wir die Platte in das Fahrzeug bekommen konnten mussten wir diese Zweigeteilt bauen und dann im Fahrzeug zusammenschieben und Leimen. Auch unter diesen Platten haben wir die Leisten als „Abstandshalter“ montiert.
Der nun folgende Schritt bestand darin, das Grundgerüst an der Bodenplatte zu montieren. Um für größtmögliche Stabilität zu sorgen und dennoch die Belüftung zu erhalten montierten wir die „Wände“ um die Radkästen mit Leisten an der Bodenplatte, zwischen Radkasten und Holz sind so stets 10mm Platz, durch den Luft ziehen und Feuchtigkeit trocknen kann.
Nach zwei Arbeitstagen die neben der Arbeit selber viel Planung enthielten stand das Grundgerüst und wir konnten mit dem Schlaf-, Sitz-, und Lagersystem weiterarbeiten.
Als erstes musste das Grundgerüst mit einer Platte geschlossen werden. Da die beiden Platten genau passen sollten mussten hier viele Aussparungen und Ecken berücksichtigt werden. Außerdem bauten wir Luken in die Platten, sodass man den Platz unter dem Gestell als Stauraum nutzen kann. Nachdem dies geschafft war musste die Liegefläche geplant werden. Wir kamen auf die Idee, die Rückenlehnen so zurechtzuschneiden, dass sie ebenfalls in den Fußraum gelegt werden können umso eine ebene Liegefläche zu erhalten. Dazu musste die Rückenlehne in vier Teile geteilt werden, wovon lediglich eine Platte nicht für das Bett benötigt wird. Um die Rückenlehne stabil zu machen kann diese in eine Art Schiene geschoben werden, oben auf die Bretter kommt eine Leiste, die dafür sorgt, dass die einzelnen Teile nicht bei der Fahrt verrutschen oder klappern.
Damit die Bettplatten stabil sitzen haben wir rund um dem Fußraum Leisten befestigt auf denen die Platten aufgelegt werden können. Hinter die Rückenlehne haben wir noch eine weitere Verblendung mit Klappen gebaut um auch den letzten Rest Platz auszunutzen. So hat man wenn das Bett abgebaut ist ein Geheimfach für Handy, Portemonnaie oder Dokumente.
Auf diesen beiden Bildern ist die Transformation von Sitzbank zu Bett sichtbar.
Nachdem das System fertig gebaut war ging es in den Urlaub nach Frankreich. Vorher ging es allerdings noch mit den Maßen von Bett und Bank zum Polstermacher der während unseres Urlaubes die entsprechenden Polster fertigte. Wie auch die Rückenlehnen, mussten auch die Rückenpolster ebenfalls als Matratze nutzbar sein. Daher suchten wir einen 8cm starken Schaumstoff aus, auf dem man bequem schlafen kann. Aus dem Urlaub zurück holten wir die Polster ab und waren sehr zufrieden, dass diese auf Anhieb passten.
Der Schrank stellte uns vor eine besondere Aufgabe, war aber unverzichtbar. Da die Fahrzeugwand nicht eben ist, musste das Holz sehr genau ausgeschnitten werden. Zum Glück konnte Knut aufgrund seiner großen Erfahrung und seines Könnens die Platten des Schranks so zurechtschneiden, dass weder Platz verschenkt wurde, noch die Konstruktion wackelt oder nicht gerade sitzt. Bei der Planung des Schranks standen wir zudem vor der Frage, wie wir den Tisch am Besten in den Schrank integrieren könnten. Wir entschieden uns dazu, zwei Tischplatten zu fertigen, die aus dem Schrank herausgezogen werden können. Da gewöhnliche Schubladenschienen bei der Fahrt aufschlagen würden, haben wir spezielle Schienen verwendet, die nur mit etwas Kraft aus dem Schrank gezogen werden können.
Der Schrank verfügt über vier Fächer, die beiden oberen sind hoch, dafür aber nicht sehr tief, die unteren sind tief und recht niedrig. Damit auch die Türen nicht bei der Fahrt aufgehen sind Magnetverschlüsse verbaut. Sehr angenehm beim Bau vom Schrank war, dass wir diesen komplett außerhalb des Fahrzeuges bauen und am Ende als Ganzes in das Fahrzeug heben konnten. Der Fertige Schrank hat ein Leergewicht von etwa 30kg, da er aus sehr stabilen, 22mm Dicken OSB Platten gebaut ist.
So Installierten wir zum Beispiel ein Instrument welches den seitlichen Neigungs-, sowie den Böschungswinkel anzeigt. Dadurch können wir uns stets sicher sein, dass wir das Fahrzeug nicht zusehr neigen.
Am Beifahrersitz haben wir eine iPad Halterung montiert und neben dem Aschenbecher eine Handyhalterung.
- Wechselrichter WAECO Perfect Power PP602
- Batterieladegerät LAS 1218-2 Schaudt
- ABB Sicherungskasten F202A (Personen und Kabelschutz)
- Campingstecker Buchse zur Fahrzeugmontage
- 3 Unterputz-, 2 Aufputz Steckdosen
- Kabel verschiedener Stärken und Dicken
- Kabelklemmen, Kabelschuhe usw…
Als ersten Schritt haben wir den Campingstecker am Fahrzeug befestigt. Bei dem gesamten Umbau war dies die einzige Baumaßnahme, bei dem wir das Fahrzeugchassis verändert haben. Wir entschieden uns den Campingstecker unter dem rechten Radkasten zu montieren. Dazu mussten wir in den Alukasten ein entsprechend großes Loch flexen. Den Campingstecker befestigten wir mit 4 Schrauben am Radkasten. Damit kein Wasser in das Fahrzeug laufen kann haben wir den Stecker mit Hochleistungsglasfaserspachtel versiegelt.
Der Umbau der Technik ging über die gesamte Umbauphase.
Wir haben uns entschieden einen kleinen Freiraum hinter dem linken Radkasten als „Schaltzentrale“ zu nutzen. Dieser gut zugängliche Bereich eignete sich schon auf Grund der Nähe zur Autobatterie, an der viele Kabel angeschlossen werden mussten. Ebenfalls kann kalte Luft gut die Geräte erreichen und so für die notwenige Kühlung, vor allem des Wechselrichters, sorgen. In der Schaltzentrale sind Batterieladegerät, Wechselrichter, Sicherungskasten, zwei Steckdosen (für Kühltruhe und Batterieladegerät) und ein Zigarettenanzünder eingebaut.
Das Elektrische System des Fahrzeuges funktioniert wie folgt:
- Mit externer Stromquelle:
Sobald Strom durch den Campingstecker in das Fahrzeug kommt, werden 4 Steckdosen mit 220V versorgt, dass Batterieladegerät geht automatisch an und beginnt damit die Autobatterie zu laden. Das Doppelbatteriesystem sorgt dafür, dass erst die Start-, dann die Verbrauchsbatterie geladen wird. Wenn die Batterien beide geladen sind schaltet das Ladegerät automatisch in einen anderen Modus und hält die Ladung der Batterien. Sollte Strom von einer der Beiden Batterien verbraucht werden schaltet das Ladegerät wieder auf den Lademodus, wenn eine gewisse Ladung unterschritten wurde. - Mit Autobatterie:
Das Fahrzeug verfügt über ein Doppelbatteriesystem welches es möglich macht auch über längere Zeit ohne Externe Stromquelle auszukommen. Damit wir im Fahrzeug nicht nur über 12 Volt Geräte verwenden können, haben wir einen Wechselrichter eingebaut, der Geräte bis maximal 600 Watt mit 220Volt versorgt. Das Batteriesystem überwacht dabei stets die Ladung der beiden Batterien. Wenn die Versorgerbatterie entleert ist schaltet es auf die Starterbatterie. Wenn auf der Starterbatterie nur noch eine Restladung übrig ist, die für mehrere Fahrzeugstarts ausreicht, schaltet das Batteriesystem die gesamte Stromversorgung ab.
Nachdem die Technik soweit funktionierte haben wir im Letzten Schritt noch Lampen im Fahrzeug angebracht.
Unter der Personalisierung verstehen wir das „wohnlich machen“ unseres Umbaus.
Der erste Schritt hierzu war es, das Holz einzulassen um es einmal optisch schöner zu machen, es aber auch vor Verschmutzung und Splittern zu bewahren. Dazu mussten wir allerdings die gesamten Holzflächen des Fahrzeuges abschleifen (einmal grob und einmal weich). Ich (Merlin) widmete mich dieser besonders anstrengenden Arbeit und schnitt als ersten Schritt eine Plane zurecht, mit der ich das Cockpit vor dem Staub der Schleifarbeiten schützte. Dann schliff ich alle sichtbaren Flächen mit 80ger und 180ger Schleifpapier ab. Dabei musste ich aufgrund der starken Staubentwicklung eine Atemmaske tragen. Das Abschleifen beanspruchte etwa 6 Stunden, das anschließende Saubermachen eine Stunde. Erst nachdem auch das letzte Staubkorn entfernt war konnte ich damit beginnen die Holzflächen mit Treppen- und Paketlack einzustreichen, ein Arbeitsschritt der etwa 30 Minuten in Anspruch nimmt. Während die erste Schicht trocknete habe ich mich um die Platten des Bettes bzw. der Rückenlehne gekümmert, habe diese abgeschliffen und lackiert.
Am nächsten Tag habe ich alle Flächen erneut lackiert, oft beanspruchte Flächen insgesamt sogar vier Mal. Doch die Arbeit hat sich gelohnt! Das Holz ist jetzt nicht nur gut geschützt, sondern sieht ebenfalls deutlich ansprechender aus, da die Farbe deutlich dunkler geworden ist.

































